Wir können alles!

 Muhterem Aras

Villingen-Schwenningen/Stuttgart. Mit dem Werbespruch „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ betreibt das baden-württembergische Musterländle schon seit geraumer Zeit Eigenwerbung. Im Allgemeinen hat Werbung ja nicht unbedingt den Ruf absoluter Seriosität und vollkommener Glaubwürdigkeit. In Sachen Baden-Württemberg-Werbung scheint das allerdings nicht so zu sein. Getreu dem Wir-können-alles-Slogan wurde anläßlich der konstituierenden Sitzung des neugewählten 16. Landtages die aus einem Dorf in Anatolien stammende „deutsche Politikerin“ Muhterem Aras (50) mit Zustimmung von 96 (insgesamt 143) Landtagsabgeordneten zur Landtagspräsidentin gewählt. Ein wahrlich prestigeträchtiger Posten.

Mit der überzeugenden Wahl von Frau Aras (Grüne) hat der Landtag einen weiteren Beweis dafür geliefert, daß BW einfach spitze ist: Die Chefin eines Steuerberatungsbüros in Stuttgart ist nicht nur die erste Frau, die das hohe Amt des Landtagspräsidenten ausübt – sie ist auch die erste Muslimin sowie die erste Migrationsverwurzelte in dieser Position. Parteifreund Kretschmann (Ministerpräsident), dessen Stellvertreter Strobl (CDU) und deren Spezis sind voll der Freude über die gleich im ersten Wahlgang erfolgte überzeugende Wahl der „hochqualifizierten“ Migrationshintergründlerin.

Machtposition und Aufgabenkompetenz des Landtagspräsidenten sind u.a. der Landesverfassung zu entnehmen. Auszugsweise Wiedergabe: „Der Präsident übt das Hausrecht und die Polizeigewalt im Sitzungsgebäude aus.“ – „Der Präsident verwaltet die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Landtags ... er vertritt das Land im Rahmen der Verwaltung…“ – „Der Präsident ist oberste Dienstbehörde für die Beamten, Angestellten und Arbeiter des Landtags.“

Anmerkung:

Die türkischstämmige Grünen-Politikerin wertet ihre Landtagspräsidentinnenwahl als ein „Zeichen der Weltoffenheit, Toleranz und Gelingen von Integration.“ Sie gab schon bei ihrer Nominierung durch die Grünen-Fraktion zur verstehen, daß die Fraktion damit die beste Antwort auf die Frage gegeben habe, ob der Islam zu Deutschland gehört.

Mit präsidialen Grüßen

Jürgen Schützinger – Kreis- u. Stadtrat