Adventsstimmung

„David“ aus Eritrea

Villingen-Schwenningen. Die Lokalredaktion des „Schwarzwälder Boten“ informierte die geneigte Leserschaft in einem bebilderten Fünfspalter kurz vor Weihnachten - unter der Überschrift: „Menschenrechte gibt es nicht“, darüber wie die „Idylle der Adventszeit“ auf sogenannte Flüchtlinge wirkt.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht dabei „David“, dessen Namen „zum Schutz der Person“ (!) durch die Redaktion geändert wurde. „David“ soll aus Eritrea stammen und im Mai 2015 als damals 19-Jähriger in Europa „gestrandet“ sein. In Villingen-Schwenningen, so wird berichtet, „vermißt er oft seine Familie“. Seine Mama wäre immer so geduldig und sein Vater sei Busfahrer und würde in der „Stadt Qatar“ (gemeint ist wohl das Emirat?) arbeiten. Ferner habe er noch drei jüngere Schwestern deren Lachen im sehr fehlen würde. Auch könne er nur einmal im Monat telefonieren. Wieso, ist nicht recherchiert. Auch wird nicht erwähnt, daß zu uns „geflüchtete“ Landsleute gerne mal ins Heimatland fliegen - um zu urlauben.

Warum er eigentlich habe fliehen müssen, wird unser „David“ gefragt. Zur Antwort gibt er neben dem „Militärzwang“ (in Eritrea besteht Wehrpflicht!) politische Gründe an. Auch hier keine Nachfragen. Und als weiteren Fluchtgrund wird angegeben, daß die Leute von der Furcht davon, im Gefängnis zu landen, beherrscht seien. Wie zur Untermauerung erscheint von dem Herrn  auch nur ein Foto, welches lediglich seinen (angeblichen) Rücken mit krausem Wuschelhaar zeigt. Bildunterzeile: Aus Angst, daß seine Familie in der Heimat Eritrea verfolgt wird, möchte David auf dem Foto nicht erkennbar sein.

Schlußwort:

In der „Stillen Zeit“ ist man angetan, (fast) alles zu glauben. Auch, daß man in Eritrea seitens der Machthaber die Lokalausgabe Villingen-Schwenningen des Schwarzwälder Boten liest um Angst haben zu müssen, daß bei Gewährung eines harmlosen Pressegesprächs mit korrektem Namen und normalem Foto Familienangehörige in der Heimat verfolgt oder ermordet werden.

Jürgen Schützinger – Kreis- u. Stadtrat

PS: Das Verschweigen der wahrhaften Identität muß nicht ausschließlich obige Gründe haben.